Dies ist eine wahre Geschichte. Die Geschichte einer Mutter, die ohnmächtig zusehen muss, wie sie ihren Sohn verliert. Jahrelang hat sie sich dafür geschämt. Erst jetzt traut Iulia sich, der Welt zu erzählen, wie sich das anfühlt: aus dem Leben seines Kindes verbannt zu werden.
Es beginnt in einem Frühling vor mehr als 10 Jahren. Obwohl sie sich nichts hat zuschulden kommen lassen, darf Iulia von einem Tag auf den anderen ihren kleinen Sohn Marius nicht mehr sehen. Nicht mehr aus der Krippe abholen. Nicht mehr mit ihm zu Abend essen. Ihm keine Gutenachtgeschichte mehr vorlesen. Es folgt ein Spiessrutenlauf durch die juristischen Instanzen, bei dem sie den Vorwurf, keine gute Mutter zu sein, entkräften muss. Schliesslich werden ihr die Nacht- und Wochenenddienste als Frauenärztin zum Verhängnis.
Auch wenn es schwer vorstellbar ist: Ja, so etwas gibt es. Und auch wenn es Vätern häufiger passiert: Iulia ist kein Einzelfall. Ebenso ist es kein neues Phänomen. Gleichwohl sind sie immer noch unsichtbar: Mütter, welche bei einer Trennung ihre Kinder verlieren.
Früher, indem ihnen das Sorgerecht entzogen wurde. Heute durch Entfremdung.
Nicht mehr die Justiz, sondern das Kind selbst wird zum Sprachrohr des Vaters und teilt der Mutter irgendwann mit, dass es sie nicht mehr sehen möchte.