Anliegen

Es geht um viel mehr als nur ein Elternpaar was sich trennt, und seine Kinder

Viele meinen, dass wenn ein Paar sich trennt, es nur diese zwei Personen, bzw. deren Kindern (be)trifft.  Meine Erfahrung ist eine andere. Wenn ein Kind von seiner Mutter (oder seinem Vater) getrennt wird, so geht es um viel mehr als nur um den Verlust der Beziehung dieser zwei zueinander. 

Solche Entzweiungen stellen das gesamte soziale Umfeld des Paares auf eine Zerreissprobe. Nicht nur Freunde und Familie stehen der Entwicklung fassungslos gegenüber, sondern auch Nachbarn, Arbeitskollegen sowie die Erzieherinnen in der Kita und die Lehrer in der Schule. Wer sich selbst nicht aus dem zerstörerischen Gemenge durch Rückzug retten kann, meint, er könnte zumindest für das ‚arme Kind‘ etwas Gutes tun, indem er ihm besonders viel Zeit und Aufmerksamkeit widmet. Den wenigsten ist bewusst, dass die Auswirkungen ihres Handelns diametral am Wunsch des Kindes vorbeigehen. Dieses möchte nichts sehnlicher als auch nach der Trennung seine Mami und seinen Papi bei sich haben. Durch die Übernahme der Kinderbetreuung helfen Aussenstehende in erster Linie jedoch dem nicht kooperierenden Elternteil, den anderen aus dem Leben des Kindes noch mehr hinauszudrängen.

Warum es schwer ist, klar zu sehen

Die Erwartung vieler ausgegrenzter Eltern, Hilfe bei fachkundigem psychologischem Personal, bei Behörden oder bei Gerichten zu finden, verflüchtigt sich jäh. Ob es der Blendung durch einen talentierten Verführer geschuldet ist, der immer noch grossen Unkenntnis, was die Entfremdungsdynamik betrifft, der Überforderung mit hochstrittigen Situationen oder schlichtweg dem zutiefst menschlichen Wunsch nach einfachen Lösungen und Ruhe – zum Schluss werden oft Entscheide gefällt, die ein normaler Mensch nicht versteht und ihn an der Kompetenz staatlicher Behörden und Gerichte zweifeln und verzweifeln lässt. Viele Eltern berichten davon, durch diese Erfahrungen den Glauben an eine gute und gerechte Ordnung in der Welt verloren zu haben. 

Wenn menschliche Ur-Verbindungen zerstört werden, leiden darunter nicht nur die Mitglieder dieser kleinen Gruppe. Die Erschütterung umfasst das ganze soziale Gefüge. Mir scheint, dass sich nicht nur die Fassungslosigkeit des ausgegrenzten Elternteils über die Aggressionen des ehemaligen Lebenspartners wie ein roter Faden durch die gesamte Gesellschaft zieht. Auch seine Unmöglichkeit zu handeln, genauso wie seine zunehmende Hoffnungslosigkeit, scheinen sich bis in die höchsten, mächtigsten Stellen unserer Gesellschaft zu übertragen: bis zum Gesetzgeber. Sämtliche juristischen Reformprojekte im Familienrecht klammern auch heutzutage noch die hochstrittigen Trennungen aus.

Es gibt sie: Eltern die Bindungen zerstören (wollen)

Der erste Schritt, um aus der empfundenen Ohnmacht herauszufinden, wäre meiner Meinung nach aufzuhören wegzuschauen. Auf allen Ebenen. Von dem ausgegrenzten Elternteil über dessen Freunde und Arbeitskollegen bis hin zu den Psychotherapeuten, Mediatoren und den Richtern. Solange wir uns immer noch dagegen wehren anzuerkennen, dass es Menschen gibt, die destruktiv veranlagt sind, solange werden wir nicht erkennen können, dass nicht alle Eltern das Beste für ihre Kinder wollen. So manch einer und einem geht es viel mehr darum sich an die Ex-Partnerin bzw. den Ex-Partner über den Entzug der Kinder zu rächen. Sie zu bestrafen dafür, dass sie sich trennen möchten. Gegenüber solch einem Verhalten brauchen wir endlich eine gesellschaftliche und juristische Ächtung! 

Kein Mensch kann sich alleine aus den Fängen eines zerstörungswütigen Partners befreien. Er braucht die Unterstützung seines ganzen Umfeldes, manchmal die der ganzen Gesellschaft. Und es ist naiv zu glauben, wenn man einem Menschen in Not die Unterstützung verweigert, man nur diesen einen verletzten Menschen im Stich lässt. Wer Destruktivität und Machtmissbrauch akzeptiert, ist für deren Verbreitung mitverantwortlich. Welche verheerenden Folgen schliesslich diese falsche Toleranz hat, nicht nur in unseren privaten Beziehungen, sondern auch auf der grossen Weltbühne – das ist seit Jahren nicht mehr zu übersehen …